Die beste Idee hast Du, wenn Du keine Chance mehr hast.

Von einem der sich aufmachte Digitalisierung zu leben. 

35 Jahre klassischer Reitunterricht begleitet von dem permanenten Gefühl, dass das Training noch viel effizienter werden müsste. Heute entwickelt Horst Steininger ein online-Portal für Reittraining. Eine Reportage über unbedingten Willen, Wissbegierde und den Glauben an Digitalisierung. 

Bis vor einem Jahr hatte Horst Steininger so rein gar nichts mit Digitalisierung zu tun. Der umtriebige Unternehmer mit Pensions- und Ausbildungsstall im hessischen Ried nutzte sein Smartphone lediglich zum Telefonieren und für Messenger-Dienste. Welche digitalen Möglichkeiten sich ihm noch bieten sollten, war ihm damals noch völlig unklar. Das sollte sich beim gemeinsamen Abendbrot mit seiner Lebensgefährtin ändern. Beim Essen stöberten sie neugierig aufs Geratewohl im AppStore und installierten die erste App, die sein Leben nachhaltig verändern würde: Podcast. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was er damit anfangen könnte, begriff aber bald: dies ist die digitalisierte Form von Wissen!

In den Jahren des klassischen Reitunterrichts wurde ihm immer klarer, dass dieses Feld geradezu nach Optimierung schreit. Aber konventionelle Methoden erschienen ihm viel zu starr und ineffizient. „Trainingspläne auf Papier? Kommunikation mit den Reitschülern per Telefon? Alles viel zu aufwendig und kein bisschen interaktiv“ fasst Horst Steininger zusammen. Da kam die Podcast-App wie gerufen. Sie war die Initialzündung, gab sie seinem chronischen Wunsch nach Wissensaufbau beim Reittraining erste vage Züge. Er spürte deutlich: hier schlummert eine echte Chance!

Seine Idee vom Systemreiten nimmt Gestalt an.

Er besuchte Vertriebsseminare, beobachtete wie die Profis erfolgreich geworden waren und erkannte, dass Social Media und die Möglichkeit Dienste digitalisiert anzubieten, wichtige Schlüssel sind. Er übernahm deren Erfolgsfaktoren und entwickelte sofort, wenn auch noch planlos, eine Idee für Systemreiten. Die eigene, kleine, selbst gebaute Webseite und Aktivitäten in Facebook brachten zwar mehr Follower, mehr Gruppen und mehr Interaktion, aber „das eigentliche Problem war damit noch nicht gelöst“.

Er fasste einen Entschluss: Er wollte sich mehr von dem Wissen aneignen um seinen Weg zu finden, der ihm den Durchbruch zur Idee Systemreiten bringen sollte. Seine Art dies zu erreichen: Totale Abschottung. Er vertiefte sich in Hörbücher, Stoff für 1 Jahr, 11 Tage und 17 Stunden, wie er mit breitem Grinsen und unverkennbarem österreichischen Dialekt erklärt. Infos aufsaugen, hören was Profis zur technologischen Transformation und Lebensumbrüchen sagen führten ihn zu Autoren wie Christoph Keese, David Precht, Brian Tracey, Steve Jobs und sogar Karl Marx. Wenn er etwas nicht verstanden hatte, hörte er ein Buch bis zu fünfmal, oder er rief den Autor einfach an. So geschehen beim Hirnforscher Manfred Spitzer. Warum? „Na, der kennt doch sein Thema, der weiß das doch viel besser als ich, also rufe ich an und frage“.

Die beste Idee hast Du, wenn Du keine Chance mehr hast.

Eine Einstellung, die ihn auch aus Krisen heraus begleitet hat. Der Kauf eines eigenen Ausbildungsstalls, der die Erfüllung eines Traums war, ihn aber gleichzeitig vor eine harte Prüfung stellte. Durch die Einführung der Mehrwertsteuer verabschiedeten sich viele Pferdehalter weil die Kosten zu hoch wurden. In der Folge ging es bergab: „keine Kredite, Strom abgestellt, Du kannst nur noch bei Tageslicht arbeiten und siehst nur noch Deine eigenen Pferde im Stall“ erklärt er rückblickend die harte Zeit. Da bleibt nur noch eins: Lernen und neue Ideen entwickeln. „ Die beste Idee hast Du, wenn Du keine Chance mehr hast“ sagt er und ergänzt: „ich habe kein Problem damit, etwas nicht zu können“. Eine Haltung, die sich Besuchern seines Reitstalls visuell deutlich macht. Eine Wand des Büros ist tapeziert mit roten Zetteln. Alles dokumentierte Fehler. Von der scheinbaren Kleinigkeit bis zum schmerzhaften Lapsus ist dort alles vermerkt. Und täglich kommen mehr hinzu.

Kapital macht die guten Ideen kaputt.

Heute baut er mit uns sein Portal Horseplan. Damit verwirklicht er sich seine innovative Idee des Systemreitens. Er führt Pferdeenthusiasten, Trainer, Freizeitsportler und weitere Peergroups in seinem Portal zusammen. Videos, Fotos, individuelle Trainingspläne stehen den Mitgliedern online zur Verfügung die ihre Inhalte ihrerseits teilen. Sogar Reitprüfungen werden in Zukunft online abgenommen. Lästige und teure Anfahrten zu Prüfungsorten im ganzen Land entfallen. Jedes neue Feature kündigt er in Facebook an und lässt die Community beurteilen, wie es beim User ankommt. So hat er ein direktes Feedback, das sofort im Portal berücksichtigt wird. Agile Arbeitsweise sei Dank!

Wollte er ursprünglich Investoren zur Finanzierung von Horseplan gewinnen, hat er davon wieder Abstand genommen. „Kapital macht die guten Ideen kaputt“ resümiert er. Denn: Sie haben andere Ziele. „ich will Werte schaffen für die nächste Generation, Investoren wollen nur Geld verdienen“. Aber er ist zuversichtlich. Wenn etwas gut ist, fließt das Geld sowieso hinterher.

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